bunkerglühen

bunkerglühen

licht und klanginstallation am ehemaligen luftschutzbunker claude-lorrain-straße münchen 2004
inszenierung der innenräume: „ein loch im handschuh“ von claire angelini münchen paris und von eva diamantstein berlin
kurator: christoph nicolaus kunst im bunker münchen

 

fotos: thilo härdtlein, münchen
pressearbeit: sara mack freispiel kulturagentur, münchen

 

die lichtinstallation in langsam pulsierendem tiefem rot weckt den bunker aus seinem schlaf und simuliert die belebung des hauses. sie verleiht seinen massiven mauern eine scheinbare transparenz; die toninstallation unterstützt die doppeldeutigkeit der absicht des schützens, die eingebettet ist in eine größere absicht zu zerstören.

 

als überlebensraum ist der bunker eingebettet in das lebenszerstörende umfeld paranoider gesellschaften und der logik des krieges. nur die paradoxe abschottung vom natürlichen lebensraum (und vom freien gesellschaftlichen austausch) scheint das überleben einiger weniger zu garantieren der glühende bunker unterstreicht die ergreifende widersprüchlichkeit des ortes: er steht als parabel für die in der gegenwart wieder zunehmenden phänomene der gesellschaftlichen eingrenzungen, ausgrenzungen und polarisierungen jeder art und ihrer kultur- und lebensfeindlichen auswirkungen.

 

ortsbestimmung
während bei dem versuch einer ortsbeschreibung den meisten münchnern das schyrenbad bekannt ist, können sie sich überwiegend an den direkt gegenüberliegenden und prominent dastehenden turm nicht erinnern. er scheint sich mit seiner äußeren architektonische form unauffällig und harmonisch in seine umgebung einzugliedern. daneben drückt sich offenbar auch sein eigentlicher, innerer zweck nicht mehr aus: gerade, aber nicht nur jüngere menschen sind häufig sehr überrascht, wenn sie erfahren, einem im 2. weltkrieg gebauten luftschutzbunker gegenüber zu stehen. die mehrheit verbindet damit eher ein lager oder einen wasserspeicher. (christoph nicolaus)